Es ist zu spät, um einfach nur auf die Politik zu warten.

Rede von Göttingen Zero zum Klimastreik am 20.9.2025

Geposted von " Göttingen Zero " am 19.09.2025

Wir freuen uns über alle die heute hier sind um gemeinsam für wirksame Klimapolitik zu demonstrieren.

Jonas: Du, Beate, den Namen Göttingen Zero haben einige vielleicht schon mal gehört, aber was ist das denn?

Beate: Wir sind eine Klimaschutzorganisation von Bürger:innen dieser Stadt. Unser Ziel ist, die Stadt Göttingen auf Kurs zu bringen, damit wir so bald wie möglich klimaneutral sind. Es ist zu spät um einfach nur auf die Politik zu warten - es ist aber nicht zu spät es gemeinsam - also von oben und von unten gleichzeitig - zu schaffen. Da wollen wir selbst mit anpacken und eine Klimawende von unten anstoßen.

Jonas: Was meinst Du damit?

Beate: Es gibt auf allen Ebenen der Politik und Verwaltung Menschen die Veränderung blockieren. Aber es gibt mindestens genau so viele Menschen, die sich mehr Geschwindigkeit und Konsequenz wünschen. Das ist ein Kulturwandel, der da gerade stattfindet. Dafür brauchen sie aber Backup aus der Bevölkerung.

Jonas: So etwas wie den Radentscheid?

Beate: Ja genau, der hat einiges angestoßen.

Jonas: Stimmt. Im Juni letzes Jahr haben wir einen großen Erfolg gefeiert: Da haben sich die Göttinger Bürger:innen mehrheitlich für den “Radentscheid 1” abgestimmt. Also für ein Bürgerbegehren, um im Radverkehr Weichen zu stellen. Um Straßenraum neu aufzuteilen, und mit echten Fahrradstraßen und Protected Bike Lanes an Hauptachsen in und zwischen den Stadtvierteln dafür zu sorgen, dass in Göttingen alle Menschen, besonders auch Kinder und ältere Menschen, ihre Alltagswege sicher mit dem Fahrrad erledigen können.

Beate: Das spart natürlich Treibhausgase ein. In Göttingen stammen etwa 24 % der gesamten Emissionen aus dem Verkehr. Damit in Göttingen wirklich der großteil der Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsattelt, braucht es gut ausgebaute Infrastruktur. Wie steht es denn darum jetzt?

Jonas: Du sprichst den Wunden Punkt an. Auf der Straße ist vom Radentscheid leider noch nicht viel angekommen. Der Bauhof der Stadt ist gerade schon mit den Routineaufgaben überlastet und für einige Arbeiten, z.B. Markierungsarbeiten in Fahrradstraßen wurde dieses Jahr zwar Aufträge ausgeschrieben, aber keine Firmen gefunden. Etwas erfreuliches gibt es aber doch zu sagen. Aufgrund des Bürgerentscheids wurden insgesamt 9 neue Stellen in verschiedenen Abteilungen der Verwaltung geschaffen. Für zwei davon in der Radverkehrsplanung wurden schon Menschen gefunden. Wir erwarten von der Stadtverwaltung sich agil und mit kurzen Wegen aufzustellen, damit die vielen Aufgaben des Radentscheids nun auch effektiv angegangen werden können. Und wenn aufgrund von Fachkräftemangel im Straßenbau nicht mehr alle Aufgaben gleichermaßen abgearbeitet werden können, muss die Stadt klar den Fuß- und Radverkehr vor dem Kfz-Verkehr priorisieren.

Beate: Das wäre mal an der Zeit. ( Vor dem Radentscheid haben wir ja schon im Jahr 2021 mit viel Unterstützung über 9500 Unterschriften gesammelt damit die Stadt ein Konzept entwickelt und umsetzt, um bis 2030 klimaneutral zu werden. ) Für die Klimaneutralität ist ein weiterer Bereich sehr entscheidend: Die Wärme. Die Stadt hat zwar eine Wärmeplanung – priorisiert aber nicht ausreichend, um ihr eigenes beschlossenes Ziel - Klimaneutral2030 - rechtzeitig zu erreichen. Es gibt auch keinen Plan für Mieterinnen oder Vermieterinnen….

Jonas: Da stammt bisher fast die gesamte Energie aus Erdöl oder Gas. Sowohl für Einzelhäuser, wie auch für die Fernwärme. Das ist natürlich ein riesiges Problem. Holzverbrennung ist auf großer Skala auch keine Lösung. Was bleibt sind Wärmepumpen und bessere Dämmung.

Beate: Genau da wollen wir ansetzen. Mit Wohnzimmertalks zur Wärmewende. Da erklären kurz, wie die Wärmewende in Göttingen funktionieren kann und sprechen dann über Fragen und tauschen Erfahrungen aus: Wie bekomme ich Fördergelder? Wo finde ich Handwerkerinnen? Funktioniert die Wärmepumpe auch im Altbau? Alles was ihr tun müsst, ist Nachbarinnen einzuladen – bei euch zu Hause, im Café oder im Gemeinderaum. Wir können solche Talks halten, oder euch helfen sie selbst zu halten.

Jonas: Wir lernen gerade aus den ersten Wohnzimmertalks und verbessern sie mit jedem Feedback - jeder Talk ist ein eigenes kleines Projekt.

Beate: Und einige Wohnzimmertalks haben schon ganz praktisch zum Einbau von Wärmepumpen geführt. Aktuell arbeiten wir an Fördermitteln, um das besser koordinieren zu können. Das können wir deshalb, weil sich Menschen gemeldet haben, die einen Plan davon haben und die die Idee gut finden.

Jonas: Es gibt noch mehr Projekte in die ihr euch mit euren persönlichen Fähigkeiten einbringen könnt. Wenn ihr das Warten satt habt, dann fangt einfach an etwas zu ändern was euch gerade bewegt. Mit euren Freundinnen oder Nachbarinnen.

Beate: Redet viel darüber und baut eure Idee aus. Und wenn ihr Unterstützung oder Tipps braucht, schreibt uns und wir trinken mal einen Tee zusammen.