Nach mehr als einem Jahr Recherche veröffentlicht der Verein Klimaschutz Göttingen e.V. heute eine umfassende Auswertung zum Umsetzungsstand kommunaler Kompensationsmaßnahmen im Landkreis Göttingen. Die Ergebnisse sind ab sofort auf einer interaktiven Karte auf der Vereinswebsite verfügbar.
Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, Eingriffe in Natur und Landschaft – etwa durch Bebauung oder Versiegelung – durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren. Dazu gehören beispielsweise die Renaturierung von Bächen und Gräben, die Anlage von Streuobstwiesen, Feldgehölzen und artenreichen Wiesen, die dauerhaft für den Naturschutz erhalten werden müssen. Diese Maßnahmen bieten erhebliche Chancen für den Erhalt der Biodiversität und können zugleich einen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz leisten.
Die Recherche des Vereins Klimaschutz Göttingen e.V., die auf der Auswertung von Planungsunterlagen sowie Anfragen an die Kommunen nach dem Niedersächsischen Umweltinformationsgesetz basiert, zeigt jedoch deutliche Defizite bei der Umsetzung. Für den Landkreis Göttingen konnten insgesamt rund 159 Hektar Flächen identifiziert werden, auf denen rechtsverbindlich festgelegte Kompensationsmaßnahmen bislang nicht oder nicht vollständig umgesetzt wurden.
Das entspricht einer Fläche von etwa 222 Fußballfeldern – oder rund zweimal der Größe des Seeburger Sees.
„Ist das relevant in Zeiten, in denen Kommunen unter hohem Druck stehen und Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden sollen? Ja, unbedingt“,
sagt Dr. Anette Gräff vom Klimaschutz Göttingen e.V.
„Kompensationsmaßnahmen gehören zu den wirksamsten und vergleichsweise kostengünstigen Instrumenten, um Natur- und Klimaschutz direkt vor Ort zu stärken. Umso wichtiger ist es, dass die von den Gemeinderäten mit den kommunalen Bebauungsplänen beschlossene Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden.“
Mit dem Projekt möchte der Verein nicht nur auf bestehende Defizite aufmerksam machen, sondern auch das Instrument der kommunalen Kompensationsmaßnahmen verständlich machen. Die interaktive Karte ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, sich selbst ein Bild vom Umsetzungsstand in ihrer Kommune zu verschaffen. Ergänzend stellt der Verein eine Handreichung zur Verfügung, die den Zugang zu den zugrunde liegenden Informationen erleichtert.
Der Klimaschutz Göttingen e.V. bedankt sich bei allen Kommunen für den konstruktiven Austausch, der die Zusammenstellung der Daten ermöglicht hat. Gleichzeitig lädt der Verein die Kommunen ein, Fortschritte bei der Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen sichtbar zu machen.
„Wir möchten nicht nur Defizite dokumentieren, sondern auch positive Entwicklungen sichtbar machen“, erklärt Gräff. „Kommunen können uns Informationen und Fotos von Flächen zusenden, auf denen die Maßnahmen inzwischen umgesetzt wurden. Verantwortung zu übernehmen und konkrete Verbesserungen vor Ort zu schaffen, verdient öffentliche Aufmerksamkeit. Das wäre das inspirierendste Ergebnis, das unser Projekt erreichen könnte.“
Für Rückfragen und Interviews stehen wir gerne zur Verfügung.
Dr. Anette Gräff
Klimaschutz Göttingen e.V.